Diesen Text habe ich zwei Tage nach meiner Operation im KFJ Wien geschrieben.
Gestern bin ich aus der Narkose aufgewacht und zwar war im Aufwachraum, nicht im Patientenraum Nummer eins. Mein Zimmernachbar war auch da, also der aus dem Patientenraum Nummer eins. Und Aufwachraumnachbar eben auch. Ich hab ihn nicht gesehen, es stand so eine verschiebbare Trennwand zwischen uns. Aber gehört hab ich ihn, weil verschiebbare Trennwände selten schalldicht und er noch im Tiefschlaf. Er hat einen sehr markanten Schlaf.
Ich hatte Tampons in der Nase. Ich hab sie jetzt gerade auch noch in der Nase, eins links, eins rechts, die Schnüre sind elegant auf meinen Naserücken gepickt. Ich tippe auf Tampons für starke Tage, gedreht gerillt, extra saugstark mit AMA Gütesiegel. Genau werde ich es erst heute Mittag wissen, wenn mir das linke Tampon herausgenommen wird. Das rechte bleibt noch drinnen, damit meine Schädelbasis stabilisiert bleibt. Die haben sie nämlich angeknackst, die Herren Chirurgen. Eigentlich war es ein Dame, sozusagen eine Chirurgin. Und die hat mir alles ganz genau erklärt, über den Knacks und so. Da hat sie nämlich schnell umdisponiert und Knorpel, Schleim und Klebstoff von wo, wo ich es nicht brauche, weggenommen und auf den Knacks getan, damit das, was ich brauche, drin bleibt. Und dann hat sie gesagt, dass alles gar nicht so schlimm ist und das ich eigentlich nur länger im Spital bleiben muss und das ich Antibiotika bekomme und da war ich gar nicht mehr böse auf sie und zu weinen hab ich auch nicht gebraucht.
Blut läuft ja aggressiv und schlecht gelaunt, bei jeder Gelegenheit wo es nur kann aus uns Menschen heraus, praktisch unzufrieden mit der Gesamtsituation. Im Moment läuft es vor allem aus meiner Nase, gepaart mit Schleim. Schleim spielt allerdings mehr die Rolle des unmotivierten Mitläufers. Damit sich das ändert bekomme ich fünf mal am Tag Infusionen. Dabei muss man den Arm gestreckt halten, sonst kann man den Tropf noch so hoch aufhängen, da ist das Blut stärker und fließt in den Schlauch. Und wegen den ganzen benebelnden Antibiotika und Schmerzmitteln spürt man dann eigentlich nur mehr die infusionsgefüllte Harnblase und geht aufs Klo.
Spitalklos sind übrigens toll. Sie sind groß und geräumig, haben viele Haltegriffe und eine eigene Heizung. Man bleibt gerne mal länger sitzen, im Krankenhaus eilt es ja nicht, und philosophiert über Gott und die Welt, standortmässig eine nette Abwechslung zur Philosophie im Bett. Außerdem kann man in jedem Spitalklo zwei Spülungen ziehen. Eine Spülung holt Wasser, die andere holt die Krankenschwester.
Ich weiß, es gibt die Leute, die mögen keinen Eckerl-Käse, diesen tortenstückförmigen Schmelzkäse. Allerdings haben diese Leute einfach nur keine Ahnung, wie man so einen Käse essen muss und dabei geht es nicht um ein spezielle Kochweise oder Zubereitung. Das Geheimnis ist ganz einfach jenes, und das sollten auch die Werbespezialisten der jeweiligen Käsefirmen endlich publik machen, dass man, vor dem Verzehr des besagten Käses, vierundzwanzig Stunden nichts essen darf.
Ansonst ist das Leben natürlich unfair. Mein Bett besitzt lediglich die Fähigkeit, das Kopfende zu heben und zu senken. Mein Zimmerkollege hingegen ruht auf dem Nimbus 3000 aller Krankenbetten. Sämtliche Teile sind mittels ideal angebrachter, elektronischer Steurerung verstellbar-, heb- und senkbar, Deckfresken malen kein Problem, und obendrein hat es auch noch eine Gitterlehne, wegklappbar versteht sich. Zumindest der Grund für diese Ungerechtigkeit liegt auf der Hand, mein Zimmerkollege stammt schließlich ursprünglich aus dem Kosovo.
Ein paar Zeilen über das Personal: aus Pflege- und Putzpersonal Sicht ist das Klischee durchgehend erfüllt, quasi Nachsilbe -schwester überall möglich. Für Ärzte und Chirurgen wurde das Klischee durch Emanzipation ersetzt, laut meinen Beobachtungen steht es 5:3 für das heutzutage, dominierende Geschlecht. Außerdem verhält sich Spitalspersonal wie die Lehrerschaft: Es gibt einige Nette, manchmal sogar ein paar fürsorgliche Omas und der Rest stirbt garantiert verbittert und einsam unter ihren Regeln, spotan auftretendem Pflichtbewusstsein und guten Manieren. Soll heißen die angezogene, optisch trächtige Kuh hat mich gestern voll fies, mit der festen Überzeugung ich hätte Bettruhe zu halten, ins Bett geschleift.
Dr. Cocks ist in echt übrigens ein langweiliger Zuhörer, alle Abstellkammern, die ich bis jetzt aufgerissen habe, sind nicht voller knutschender Arztpärchen und es gibt keine endlosen Korridore zu den Operationssälen. Aber trotzdem habe ich meiner blonden Schönheit lieber keinen Antrag bei ihrem Besuch im Spital gemacht, um nicht an einem Herzversagen zu sterben.
Ich werde das Spital vorraussichtlich am Montag wieder verlassen, immer noch nicht wissend, wozu das Wort Spital eigentlich gut ist, wenn es doch Krankenhaus gibt.
lukas
weißt, irgendwie hast du schon nen gnacks …
einfach genial,
will mehr sowas lesen, das erhellt einfach auch einen regentag…
Also die Rita hat sich gerade geoutet, keine Ahnung von Alltags-Literatur(irgendwie übernehem ich diese schlechte Angewohnheit alles mit Bindestrich zu schreiben, weil man weniger Fehler machen kann=/).
Mehr davon, ich will ein Buch.